60 er Jahre

Die 60er Jahre – das Jahrzehnt der Babyboomer Generation

Die 60er Jahre – eine Nation im absoluten Wandel

Die Sechzigerjahre haben die Welt geprägt wie kein anderes Jahrzehnt der Nachkriegszeit. Zwischen den Großmächten USA und Sowjetunion herrscht der Kalte Krieg, in Berlin wird die Mauer gebaut, aufgrund der Kuba-Krise kommt es fast zum Atomkrieg und in Vietnam sterben Millionen von Menschen. Eine Schlüsselrolle spielt damals die Musik: Die Beatles begeistern wie keine Band zuvor Millionen von Menschen und werden Pioniere jener Kultur, die heute die Welt beherrscht – der Popkultur. 

Vielerorts kommt es zu Protesten – ein Hauch von Revolution liegt in der Luft. Für Daniel Cohn-Bendit, damals prominenter Studentenführer, später Grünen-Politiker und Abgeordneter im Europaparlament, war es »eine große, fantastische, verrückte Zeit«. Im Gespräch mit SPIEGEL-Redakteuren sagt er, »die moderne, offene Gesellschaft, wie wir sie heute in Europa haben, ist ohne unsere Revolte nicht zu verstehen«. Dabei spart er nicht mit Kritik an den damaligen Ideologen: »Wenn du die Bücher von Che Guevara liest über den neuen Menschen, kommt dir das Grausen.«

Der erste Mensch machte einen Schritt auf dem Mond, ein zweiter folgt sogleich. Kaum zu glauben, aber wahr: Damals funktionierte die Welt noch ohne Handys oder Computer und Kinder trafen sich zum Spielen auf der Straße.

Die Frauen emanzipierten sich und die ersten Studentenrevolten legten den Grundstein für mehr Freiheit und Gerechtigkeit, aber auch für mehr Gewalt und die Entstehung der Terroristen-Gruppierung RAF. All das und noch viel mehr begegnet Ihnen bei …




. . . der Reise in die 60er Jahre

Unruhige Jahre

Die 60er Jahre waren sowohl in Ost- wie in Westdeutschland eine Zeit des Umbruchs und der Veränderung. Vor allem die Jugend stellte immer wieder die bis dahin so autoritäre Politik in Frage, die Gesellschaft politisierte sich zunehmend. Der „Mief“ der Adenauer-Ära wurde durch immer stärker aufkommenden Unmut und die darauf aufbauenden Protestbewegungen davon geblasen. Im Westen führte diese neue Politisierung der Gesellschaft zu einem immer größer werdenden Bruch zwischen den Generationen. Im Osten dagegen konnte die DDR-Führung den Generationskonflikt durch die Liberalisierung der Kulturpolitik für sich entscheiden.

Anfang 1961 eskalierte die Berlin-Krise. Die Westmächte befürchteten, dass der Zugriff der UDSSR auf die Freie Stadt West-Berlin immer massiver werden könnte. Für die DDR wurde die offene Grenze nach Berlin und der ständig größer werdende Strom der Flüchtlinge zunehmend untragbarer. Am 13. August 1961 wurde der bis dahin noch einzige freie Zugang nach West-Berlin gesperrt. Durch den folgenden Mauerbau zementierte die DDR wortwörtlich die Teilung Deutschlands. Ende Oktober fuhren amerikanische Panzer demonstrativ vor dem Übergang „Checkpoint Charlie“ auf. Wenig später standen ihnen sowjetische Panzer gegenüber. Doch mehr als ein spektakuläres Kräftemessen wurde es nicht. Die Teilung Deutschland war beschlossene Sache.




RAF und APO

Bereits in der ersten Hälfte der 60er Jahre begann die Jugend sich gegen die traditionelle Werteordnung ihrer Eltern aufzubegehren. Alte Wertvorstellung und die bis dahin vehemente Autoritätsgläubigkeit wurden angezweifelt und hinterfragt. Nachdem 1966 die Regierungskoalition von CDU und FDP zerbrach und Bundeskanzler Ludwig Erhard zurücktreten musste – Gründe dafür waren unter anderem wirtschaftliche Probleme – bildete sich die erste Große Koalition von CDU und SPD. Der Versuch, die Rezession zu überwinden und die stark umstrittenen Notstandsgesetze in das Grundgesetz aufzunehmen, führte schließlich zur Bildung der Außerparlamentarischen Opposition (APO). In der APO versammelten sich vor allem Studenten, jüngere Bürger und Bürgerinnen, Künstler und Intellektuelle, die sich für außenpolitische Geschehnisse engagierten.

Die von der Regierung angestrebten Notstandsgesetze und die Anerkennung Deutschlands des Vietnam Krieges wurde von der APO stark kritisiert. Immer häufiger kam es zu gewaltsamen Demonstrationen. Die meisten Politiker sahen in diesem Aufbegehren ein Affront. Nur wenige Regierungsmitglieder wie zum Beispiel Justizminister Gustav Heineman fragten selbstkritisch nach einer möglichen Mitschuld der etablierten Politik an den gewaltsamen Eskalationen.

Alfred Willi Rudolf Dutschke, Rufname Rudi (* 7. März 1940 in Schönefeld bei Luckenwalde; † 24. Dezember 1979 in Aarhus, Dänemark), war ein deutscher marxistischer Soziologe und politischer Aktivist. Er gilt als Wortführer der Studentenbewegung der 1960er Jahre in West-Berlin und in Westdeutschland. Bei einem Attentat auf ihn im April 1968 erlitt er schwere Hirnverletzungen, an deren Spätfolgen er 1979 starb.

Zeitungsverleger Axel Springer hingegen begann durch sein Medium die „Bildzeitung“ eine regelrechte Hetzjagd auf diese „Revoluzzer“. Am 2. April 1968 beteiligten sich Andreas Baader und Gudrun Ensslin an zwei Brandanschläge auf Frankfurter Kaufhäuser. Nach eigenen Angaben wollte Baader damit auf die gesellschaftliche Gleichgültigkeit aufmerksam machen, mit der die Menschen den Vietnam Krieg hinnehmen. Baader und Ensslin wurden festgenommen.

Doch die erste terroristischen Gruppierung im neuen Deutschland, die RAF, hatte sich bereits gebildet und etabliert und sorgte in den kommenden Jahren immer wieder durch Anschläge und Entführungen für Angst und Schrecken. Als dann auch noch wenig später die umstrittenen Notstandsgesetze verabschiedet wurden, kam es zum endgültigen Bruch der Generationen. Allerdings bedeutete dies auch den langsamen Niedergang der APO. Viele ihrer Anhänger versuchten nun statt durch Demonstrationen eher von innen heraus eine allmähliche Veränderung der Gesellschaft zu erreichen. Die meisten lehnten die gewalttätigen Aktionen der RAF ab und versuchten ihren Prostest in Bürgerinitiativen und der Friedensbewegung unter zu bringen.

Zur gleichen Zeit versuchte die Regierung der DDR eine Neuorientierung der Innen- und Wirtschaftspolitik. Der „egoistische“ Anspruch der Bürger auf ein besseres Leben galt nicht mehr als unvereinbar mit dem Aufbau des Sozialismus und die SED ließ Neuerungen, vor allem im kulturellen Bereich, bis zu einer gewissen Grenze zu. In der Spät- phase Ulbrichs nahm diese Liberali- sierung zwar wieder ab, doch eine Rückkehr zu den stalinistischen Führungsmethoden war nicht mehr möglich.




Vier Pilzköpfe schreiben Musikgeschichte

Mit Beginn der 60er Jahre begann eine neue Ära der Popkultur. Der bisherige Trend zu Rock‘n‘Roll undBeach-Sound verblasste mehr und mehr. Ursache dafür war unter anderem der Konkurrenzdruck und Freiheitsdrang vieler Musiker zu mehr Originalität. In England entstand die Beatmusik, angeführt von den Beatles und den Rolling Stones, die mit ihrem Sound die Musikgeschichte neu schrieben. Doch ausgerechnet Deutschland sollte für die Beatles das Sprungbrett zu einer bisher unvergleichlichen Weltkarriere werden. Am 13. April 1962 traten die Beatles, damals noch mit Schmalzlocke und anderer Besetzung, im Starclub auf. „Die Zeit der Dorfmusik ist vorbei“ hatte der damalige Besitzer Manfred Weissleder angekündigt. Und er sollte recht behalten. Das Publikum war von dem neuen, wenn auch noch sehr rockigen Sound dieser unbekannten Band aus England begeistert.

Die deutsche Fotografin Astrid Kirchherr veranlasste die Band zu ihrem charakteristischen Aussehen. Sie verpasste ihnen den so typischen Pilzkopf-Haarschnitt und steckte sie in Anzüge. Ein neuer Trend war kreiert, der bald in der ganzen Welt kopiert wurde. Einer hatte jedoch das Nachsehen. Der ehemalige Schlagzeuger Pete Best wurde durch Richard Starkey, besser bekannt als Ringo Starr, ausgetauscht. Der gigantische Aufstieg der Beatles zur bekanntesten Band der Welt begann, ein Hype, der bis heute nichts an seiner Faszination verloren hat.

Ebenfalls in den frühen 60er Jahren bildete sich aber auch eine Gegenbewegung zu dem Beat- und Rock-Sound. Interpreten wie Joan Baez und Bob Dylan verhalfen dem Folksound zu großer Bedeutung. Er gilt bis heute als Protest-Musik, der vor allem von einer großen Anhängerschaft bei den Studenten und Jugendlichen der damaligen Zeit lebte, die sich gegen das Obrigkeitssystem der damaligen Zeit wehrte. Frieden, Freiheit und Pazifismus waren die Schlagwörter dieser Bewegung, die in jahrelangen Protesten gegen den Vietnam-Krieg gipfelte.




Von Jimi Hendrix zum deutschen Schlager

Als 1964 Dave Davies, der Gitarrist der Kinks, zum ersten Mal seine Gitarre mit einer Rasierklinge derartig malträtierte, dass es zu bisher völlig ungewöhnlichen Klängen kam, wurde dieser Sound sofort begeistert aufgenommen. Gitarristen wie Jimi Hendrix ließen ihre Instrumente nun regelrecht aufheulen. Und die frühen Hippies, ausgehend von San Fransisco, übernahmen diesen Sound sofort. Als die Beatles 1967 ihr „Sgt. Pepper“-Album veröffentlichten, war es mit dem exklusiven Charakter des Hippiekults und seiner Drogen-Affinität vorbei. Aus der von Überzeugung geleiteten Gemeinschaft wurde eine Massenbewegung, die sich oftmals nur noch an der entsprechenden Mode orientierte.

Was für die Jugendlichen die Beat-, Rock- und Folkmusik war, wurde für viele ältere Generationen in Deutschland der Schlager. Fröhlich trällerte Connie Francis „Schöner fremder Mann“, Manuela „Schuld war der Bossa Nova“ und Andre Heller – später als Kunstmacher bekannt – “Schnucki, ach Schnucki“. Und rechtzeitig zum Mauerbau erhellte das Lied „Wir wollen niemals auseinander gehen“ die Laune der Nation.




Mit dem Auto zum Teutonengrill

Lignano an der oberen Adria – Der Teutonengrill beginnt hier und zieht sich bis Rimini.

Das Wirtschaftswunderland Deutschland bot seinen Bundesbürger in den 60er Jahren zum ersten Mal die Möglichkeit, sich einen gewissen Luxus zu leisten. Vor allem das Auto stand ganz oben auf der Wunschliste der Deutschen. Und mit der steigenden Mobilität stieg auch der Wunsch auf neue Eindrücke im In- und Ausland. Die Anzahl der Autos, dem Deutschen liebstes Kind, stieg in zehn Jahren auf über 14 Millionen Stück.

Und plötzlich konnte man neben der Nord- und Ostsee auch an die Adria fahren. Vor allem die italienischen Adriastrände wurden zum sprichwörtlichen Teutonengrill. Aber auch ein entzückendes kleines Dorf an der französischen Mittelmeerküste namens St. Tropez zog wie magisch eine Heerschar deutscher Touristen an, wenn auch eher diejenigen mit etwas praller gefülltem Geldbeutel. Die Fluglinie Condor brachte 1962 bereits 32.000 Reiselustige nach Palma. Vier Jahre später konnte man in der Liste ihrer Zielländer auch exotische Namen wie Thailand, Kenia oder die Dominikanische Republik finden. Zwar war ein Amerika-Besuch für die meisten wegen des hohen Dollarkurses ein unerfüllbarer Traum, doch der Reiselust der Deutschen war in den 60er Jahren keine Grenze mehr gesetzt.

Quellen:
Norbert Golluch – Bonanza, Beatles, Babyboom
Wikipedia/ 60 er Jahre 
Quizfragen über die 60er Jahre




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